Erst in den letzten Jahren erschienen wissenschaftliche Studien, in denen die Bedeutung des Humors für die Psychotherapie gezielt herausgestellt wurde (vgl. Literaturangaben). Bis dahin hat es zwar viele anekdotische Hinweise dafür gegeben, dass Lachen gesund bzw. die „beste Medizin“ ist, doch erst der spektakuläre Bericht von Norman Cousins (1981) über seinen erfolgreichen Versuch, eine tückische Krankheit durch gezieltes Lachen zu überwinden, ließ auch die Fachwelt aufhorchen.
Im therapeutischen Kontext wird daher sowohl über die das Lachen im Allgemeinen auslösenden psychischen Mechanismen als auch über die konkreten Umstände ihrer Nutzung in der Therapie nachgedacht.
Der einschlägigen Literatur zufolge lassen sich drei grundlegende theoretische Ansätze unterscheiden:
- Kathartische Theorien
Die kathartische Theorie des Humors geht auf Sigmund Freud zurück, der „das Lachen (als) ein Phänomen der Abfuhr seelischer Erregung“ auffasste. Befunde der modernen Gelotologie bestätigen, dass die Humorreaktion zur Stärkung des Immunsystems führt, zur Schmerzreduktion beiträgt und dem Stressabbau förderlich ist. Übersichtsdarstellungen hierzu finden sich z. B. bei Michael Titze (vgl. Literaturangaben).
- Überlegenheits- und Aggressionstheorien
Das Auslachen anderer kann zeitweilig das eigene Selbstwertgefühl stabilisieren. Arthur Koestler wies darauf hin, dass es schon im Alten Testament neunundzwanzig Hinweise auf ein unterschiedliches Lachen gebe: Dreizehn davon seien mit Geringschätzung, Hohn, Spott oder Verachtung verbunden und nur zwei „kommen aus wirklich fröhlichem Herzen“. Gemäß der antiken Degradationstheorie, die auf Aristoteles zurückgeführt wird, regt die Wahrnehmung von Defekten, Deformierungen oder auch nur der Hässlichkeit bei einem Mitmenschen zum aggressiven Lachen an. Sigmund Freud sah im Witz auch eine „Ersparung von Mitleid“ und eine „momentane Anästhesie des Herzens“.
Diese abwertenden, aggressiven menschenverachtenden Anteile des Lachens in den Formen der Ironie, des Sarkasmus und Zynismus werden von einem Teil der Therapeuten als inakzeptabel abgelehnt.
- Inkongruenztheorien
Humorreaktionen (Belustigung, Lächeln, Lachen) werden auch durch das Zusammenwirken bestimmter logisch-kognitiver Prozesse ausgelöst, die den Gesetzen des normalen Denkens bzw. der aristotelischen Logik entgegenlaufen und als „Inkongruenz“ bzw. „Inkonsistenz“ von Umwelt und Denken bezeichnet werden. Sie entsprechen in ihrer Struktur dem Mechanismus des Witzes (vgl. „Witz“ im Hauptartikel Humor).
Die Kommunikationstheoretiker der Palo-Alto-Gruppe (Bateson, Jackson, Haley, Weakland 1969) wiesen in einem ihrer ersten Forschungsberichte darauf hin, dass Humor entsteht, wenn verschiedene Ebenen der Abstraktion zusammengefasst werden. Paul Watzlawick et al. definieren die paradoxe Wirkung des Humors als „die absichtliche Verwirrung von Element und Klasse“: Diese unerwartete Verbindung produziert die komische Wirkung. Die Therapie könnte daher paradoxe Strategien wie Übertreibungen, Untertreibungen, logische Widersprüche und Verdrehungen, Wortspielereien, absurde („verrückte“) Realitätsdeutungen, Gleichsetzungen des Konkreten mit dem Abstrakten (Metaphorischen), das Umkehren (Lächerlichmachen) des Erhabenen usw. in die therapeutische Kommunikation einbeziehen.